Programmvorschläge:

Liederkreis von Robert Schumann nach Eichendorff

Mörike-Lieder von Hugo Wolf

Lieder von Johannes Brahms

Lieder von Franz Schubert

Lieder von Gustav Mahler

 

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Kritik Liederabend

Romantischer Liederabend in Bad Kissingen

Das war ein Angebot, das es nicht alle Tage gibt, vielleicht war es sogar eine Premiere: ein Konzert mit Klavierliedern der Romantik in der Erlöserkirche. Es war der Abschluss zu der Vernissage "Wege zum Himmel"; wobei es nicht unbedingt als Ergänzung gedacht war. Denn die Wege der Romantik führen nicht zum Himmel, sondern in die Innerlichkeit.

Die Neugier wurde allerdings weniger von dem Ereignis beflügelt als von den beiden Ausführenden, denn ihre Namen bringt man, obwohl oder vielleicht gerade weil man sie gut kennt, zuallerletzt mit dem romantischen Klavierlied in Verbindung: Katrin Edelmann (Mezzosopran) und Jörg Wöltche (Klavier). Sie haben schon oft in der Erlöserkirche miteinander musiziert, aber auf einem völlig anderen Sektor. So war dieser Abend in gewisser Weise durchaus eine Premiere.

Dass Katrin Edelmann sehr viel geistliche Musik singt, merkte man - aber nicht, weil ihre Lieder zu Predigten geworden wären oder weil sie mit dem "Gebet" aus Hugo Wolfs Mörike-Vertonungen begann. Sondern man merkte es an ihrer Tonbildung: sehr gründlich und extrem genau, mit einer gewissen Gelassenheit und mit sehr sparsamem Tremoloeinsatz. Da ging es nicht um plakative Virtuosität, für die ein starkes Tremolo gerne gehalten wird, sondern um Innigkeit und Innerlichkeit, um die unbehinderte, zugängliche Darstellung von Emotionen, um nachhaltige Wirkung.

Wer eines der bekanntesten und schönsten Lieder der Romantik, Robert Schumanns Vertonung von Eichendorffs "Mondnacht" ("Es war, als hätt' der Himmel / die Erde still geküsst") mit derartiger Ruhe singt, wer sich traut, die schwierigen Intervallsprünge des absolut bloß liegenden Stimme nicht durch Tremolo zu verunklären, der muss sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Wobei Katrin Edelmann darauf bauen konnte, dass sie eine - keineswegs selbstverständlich - wunderbar ruhige, weiche Mittellage hat, auf die sie ihre Stimme sozusagen fallen lassen kann.

Überhaupt war das Programm sehr klug zusammengestellt mit sechs Hugo-Wolf-Liedern nach Mörike, weil sie nicht nur große Farbigkeit zulassen, sondern auch, weil die Sängerin es sich erlaubte, in Liedern wie "Der Gärtner", "Zitronenfalter im April" oder "Das verlassene Mägdelein" des psychisch doch so arg belasteten Komponisten Humor zu finden und zu gestalten.

Eigene Handschrift für jedes Lied

Konzeptionell schlüssig gestaltet war Robert Schumanns Liederkreis op. 39 auf Texte von Joseph von Eichendorf. Denn einerseits gelangen ihr wunderbare stimmliche prägnante Charakterzeichnungen, die sie zum romantischen Weltbild einer traum- oder rauschhaften Idylle zusammenfügte bis zum plötzlichen Umbruch mit der Erkenntnis des Erzählers, der, aus seinen Träumen und Bildern gerissen, bemerkt, dass er gar nicht gemeint ist, dass er außen vor steht. Es war nicht nur "Die Mondnacht", die diese Intensität ausstrahlte, sondern auch das immer drängendere "Waldesgespräch", das den Zusammenstoß mit der Hexe Lorelei mit seiner Dialogstruktur oder das "Zwielicht", in dem der Traum von der heilen Welt demontiert wird. Jedes Lied hatte seine eigene Handschrift.

Und schließlich fünf Lieder von Johannes Brahms, die immer so nett und harmlos daher kommen und doch so schwer zu singen und zu spielen sind. Aber auch hier blieb Luft zur Gestaltung wie bei dem schwäbischen Volkslied "Unten im Tale" in dem der abgewiesene Liebhaber seine Niederlage mit erstaunlich lakonischer Wurschtigkeit trägt. Das letzte Lied, "Von ewiger Liebe" wurde zum eigentlichen Höhepunkt des Konzerts, allerdings nicht wegen des etwas pathetischen Textes von Joseph Wenzig, der in dem nicht überraschenden Ausruf gipfelt: "Unsere Liebe muss ewig bestehn!". Sondern wegen der Brahmsschen Verarbeitung.

Spätestens hier wuchs der Respekt vor Jörg Wöltche schier ins Unermessliche. Denn Brahms war einer der besten Pianisten unter den Komponisten, und er selbst ist vor allem Organist und Cembalist mit ganz anderen Anschlags- und Gestaltungstechniken. Aber er hatte sich kompromisslos hineingewühlt in die Materie, versteckte sich nicht hinter seiner Sängerin. Er begleitete nicht im Sinne einer dienenden Funktion, sondern machte Angebote und dramatischen Druck, provozierte und kontrastierte mit erstaunlichem Zugriff.

Die "Ewige Liebe" war sozusagen das Meisterstück. Denn da fordert nicht nur die rhythmische Vertracktheit einen kostbaren Teil der Aufmerksamkeit, sondern auch das schwierige Erbe der großen, elastischen Hände des Komponisten. Und trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - machte Jörg Wöltche deutlich, wie Brahms mit unberechenbaren Harmonien, über die gerne hinweggespielt wird, die Erwartungen in die Irre führt, wie schwer es die Sänger mit dem Gegenhalten haben.

Aber Katrin Edelmann kannte ihre Töne, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, ließ sich nicht von der zwangsläufigen Sprödigkeit des Satzes irritieren. Ein wirklich großartiger Schluss, der zwei Zugaben generierte: "Wie Melodien zieht es mir" und "Guten Abend, gut' Nacht" beide natürlich von Brahms. Ein Modell der Zusammenarbeit, das Zukunft haben sollte, wenn es die Beteiligten wollen - und dann vielleicht auch mal mit einem noch besseren Flügel.

(Thomas Ahnert, Mainpost)

Romantische Lieder in den Klostermauern

Mezzosopranistin Katrin Edelmann und Regionalkantor Peter Rottmann sorgten mit ihrem von Liedern der Romantik ...

Draußen ein strahlender Frühlingstag und drinnen im Kreiskulturzentrum will der Konzertnachmittag diesem prachtvollen Frühlings-Sonntag in nichts nachstehen. In den alten Mauern des Klosters verzaubern romantische Lieder das Publikum, faszinieren Mezzosopranistin Katrin Edelmann und Regionalkantor Peter Rottmann am Flügel mit Liedern der berühmten Komponisten Franz Schubert, Gustav Mahler und Robert Schumann die Besucher. „Poesie und Leidenschaft“ – sie gehören zum Frühling wie Liebe und Romantik. Von allem bekommt man bei diesem Gastspiel der beiden Ausnahmekünstler ein kräftige Portion ab.

Über 600 Lieder hat der mit 31 Jahren viel zu früh verstorbene Franz Schubert (1797-1828) komponiert. Im Kloster Wechterswinkel kam man in den Genuss von acht seiner Werken. Während „Der Wanderer an den Mond“, „Berthas Lied in der Nacht“ und die „Romanze“ teilweise getragen, ja sogar düster, auf der anderen Seite aber auch lieblich und einfühlsam daherkommen, ist die Melodie von „Der Zwerg“ grandios und dramatisch, der Text ungewöhnlich und politisch eingefärbt.

Als 17-Jähriger schrieb Schubert, fußend auf den großen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, „Gretchen am Spinnrade“. Dem Werk ließen Katrin Edelmann mit ihrer hellen glasklaren Stimme und Peter Rottmann mit seinem exzellenten Klavierspiel Schuberts Vertonung von „An den Mond“ – ebenfalls von Goethe – und das wiederum von ihm musikalisch untermalte, fröhlich dynamische und temperamentvolle Kunstlied „Sehnsucht“ von Friedrich Schiller folgen.

 

Wie Sophia Mohr von der Kreiskulturagentur, die gekonnt durchs Programm führte, erläuterte, hat der hochbegabte Komponist Gustav Mahler auch insgesamt 40 Kunstlieder komponiert. Lieder, die eine enge Verbindung zwischen Musik und Literatur darstellen. Aus der Übergangszeit von der Spätromantik zur Moderne stammen seine „Jugendzeit-Lieder und Gesänge“, die das Publikum verzückten. Dabei waren die Serenade „Ist's dein Wille, süße Maid“ (aus „Don Juan“ von T. de Molina), die Phantasie „Das Mägdlein trat aus dem Fischerhaus“ und „Aus! Aus!“, „Starke Einbildungskraft“ und „Rheinlegendchen“ zu hören.

Das „Herzstück“ des Nachmittags

Joseph von Eichendorff ist wohl der deutsche Dichter der Romantik schlechthin. Seine Gedichte, wie „In der Fremde“, „Waldesgespräch“, „Die Stille“, „Auf einer Burg“ oder „Frühlingsnacht“ bildeten das „Herzstück“ des Konzertnachmittags. Das darin zum Ausdruck gebrachte, unendliche Sehnsuchtsgefühl nach Heimat, unberührtes Naturempfinden, Liebe und Geborgenheit lässt Robert Schumann häufig mit seiner eigenen, anfangs so unglücklichen Liebesbeziehung zu seiner Clara korrespondieren.

„Frühlingslaune“ als Zugabe

Der düstere Charakter, den Katrin Edelmann und Peter Rottmann dabei ebenso meisterhaft zu vermitteln wissen wie die fröhlich, träumerische, vor Glück aufjauchzende Stimmung fesselt und begeistert das Publikum, das am Ende für seinen Applaus noch mit der zum Wetter an diesem Tag passenden Zugabe „Frühlingsglaube“ von Franz Schubert belohnt wird.

Von Klaus-Dieter Hahn (Rhön-Saalepost)

Intermezzo

Dein Bildnis wunderselig
Hab ich im Herzensgrund,
Das sieht so frisch und fröhlich
Mich an zu jeder Stund.

Mein Herz still in sich singet
Ein altes, schönes Lied,
Das in die Luft sich schwinget
Und zu dir eilig zieht.

(Joseph von Eichendorff)

Dieses und weitere Gedichte präsentierten Katrin Edelmann (Gesang, Mezzosopran) und Jörg Wöltche (Klavier) im Rahmen der einmal im Monat stattfindenden Konzertreihe mit dem Titel „Klassik für Nachtschwärmer“ im Altarraum der Rats- und Marktkirche St. Johannis in Göttingen. Bevor sie jedoch zum lyrischen Teil des Abends übergingen, widmeten sich Edelmann und Wöltche zunächst noch einigen Liedern von Johannes Brahms (1833-1897), wie dem heiteren Ständchen op. 106/1 (Text: Franz Theodor Kugler). Sanft und zart erklang hingegen das Lied Wie Melodien zieht es mir op. 105/1 (Text: Klaus Groth), von Katrin Edelmann mit ausdrucksvoller Betonung gesunge. Besonders in Feldeinsamkeit op. 86/2 (Text: Herrmann Allmers) zeigte sich Edelmann stimmlich sehr facettenreich und sicher in Höhen und Tiefen, während Jörg Wöltche vor allem in den tieferen Klangebenen mit seinem Spiel beeindruckte.

Es folgte eine Auswahl der von Hugo Wolf (1860-1903) in einem viermonatigen „Schaffensrausch“ musikalisch interpretierten Gedichte von Eduard Mörike: Der Gärtner, Zitronenfalter im April, Das verlassene Mägdelein und Gebet. Es war eine schöne Zusammenstellung verschiedenster Stimmungen. Durch die intensive, kraftvolle und klare Stimme von Edelmann und den vollen Klavierklängen wurden die Frische des Gartens, in dem der Gärtner voller Tatendrang sein Tagwerk verrichtete und die Melancholie des verlassenen Mägdeleins geradezu spürbar.

Der Höhepunkt des Abends war schließlich der Liederkreis op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff, in musikalischer Interpretation von Robert Schumann (1810-1856). Auch hier präsentierten Edelmann und Wöltche sehr gelungen und harmonisch zahlreiche Klangnuancen und -farben. Gedichte wie Die Stille, Mondnacht und Die schöne Fremde erklangen in melodischem Zauber und füllten den atmosphärischen Altarraum der Johanniskirche. Auch hier schufen die Musizierenden eine unglaubliche Weite der Stimmungen, von Schwermut bis hin zu freudiger Leichtigkeit, mit dem sprühenden Gedicht Frühlingsnacht als Ausklang. Die stimmliche Vielfalt spiegelte gleichzeitig die farbenfrohen Wortkünste von Eichendorff und die brillante Umsetzung von Robert Schumann wider. Besonders berührend wirkte Wehmut, insbesondere durch die von Wöltche sehr feinfühlig gespielten Klavierpassagen.

Nach langanhaltendem Applaus wurde das Publikum noch mit zwei „Betthupferln“ (Wöltche) verabschiedet: Dem Wiegenlied von Johannes Brahms und dem wundervollen An den Mond von Franz Schubert. Es war ein sehr gelungener, harmonischer und gleichzeitig lebendiger Abend, nach welchem man die Kirche auch zu später Stund´ erfrischt und aufgeweckt verließ.

 

Christiane Goos